Schaden Unfollower der Reichweite? Mit Zahlen

Ob Abgänge deiner Reichweite schaden, hängt allein davon ab, wer geht. Verlierst du aktive Follower, sinkt deine Interaktionsrate und die Auslieferung sinkt mit. Verlierst du inaktive Konten, steigt die Rate und die Auslieferung verbessert sich. Die Zahl im Profil sagt darüber nichts – die Rechnung dahinter schon.

Dieser Beitrag rechnet beide Fälle durch, damit du deine eigenen Zahlen einordnen kannst, statt zu raten.

Wie rechnest du das nach?

4 Rechenbeispiele mit denselben 500 verlorenen Followern. Zeile 2 und 3 zeigen dasselbe Ereignis mit gegensätzlicher Wirkung auf die Interaktionsrate. Nur die Veränderung dieses Bruchs entscheidet, ob ein Abgang gut oder schlecht für dich war.

Die Interaktionsrate ist Reaktionen geteilt durch Follower. Nur die Veränderung dieses Bruchs entscheidet, ob ein Abgang für dich gut oder schlecht war.

Ausgangslage Follower Reaktionen Rate
Vorher 5.000 200 4,00 Prozent
500 inaktive gehen 4.500 200 4,44 Prozent
500 aktive gehen 4.500 140 3,11 Prozent
1.000 gemischt gehen 4.000 170 4,25 Prozent

Zeile zwei und drei zeigen dasselbe Ereignis – 500 verlorene Follower – mit gegensätzlicher Wirkung. Wer nur auf die 500 sieht, kann daraus nichts ableiten.

Taschenrechner, Stift und Smartphone auf dem Schreibtisch

Woran erkennst du, wer gegangen ist?

An den Reaktionen im selben Zeitraum. Wenn die Followerzahl fällt, die absoluten Likes und Kommentare aber gleich bleiben, waren es inaktive Konten. Fallen die Reaktionen proportional mit, waren es aktive.

Genauer wird es mit Namen. Der Vergleich zweier Stände deiner Follower-Liste zeigt, welche Konten fehlen – und ein Blick auf ein paar davon verrät, ob es echte Nutzer oder Karteileichen waren. Instagram liefert diese Liste nicht; der Unfollowers Tracker gewinnt sie aus deinem Datenexport, ohne Passwort.

Welche Werte sind normal?

5 Richtwerte zur Einordnung. Bei größeren Konten sinken sie natürlicherweise — 100.000 Follower liegen oft bei 1 bis 2 Prozent Interaktion.

  • Abgangsrate unter 2 Prozent im Monat. Grundrauschen, kein Handlungsbedarf.
  • 2 bis 5 Prozent. Lohnt einen Blick auf die letzten Beiträge, meist ein konkreter Anlass.
  • Über 5 Prozent. Deutet auf Themenwechsel, Werbehäufung oder einen Posting-Schub hin.
  • Interaktionsrate 3 bis 6 Prozent. Üblicher Bereich für Konten unter 10.000 Followern.
  • Speicherungen 1 bis 2 Prozent der Reichweite. Ein guter Wert, weil Speicherungen am stärksten gewichtet werden.

Bei größeren Konten sinken diese Werte natürlicherweise. Ein Konto mit 100.000 Followern liegt oft bei 1 bis 2 Prozent Interaktion, ohne dass etwas falsch läuft.

Wie misst du sauber?

5 Schritte über mindestens 4 Wochen. Kürzere Abstände messen Rauschen, weil einzelne Beiträge um ein Vielfaches schwanken.

Schritt 1: Notiere den Ausgangsstand

Followerzahl, durchschnittliche Reaktionen der letzten 5 Beiträge, Datum. Ohne diese drei Angaben ist jeder spätere Vergleich wertlos.

Schritt 2: Fordere den Datenexport an

In der App unter „Deine Aktivität“, dann „Deine Informationen herunterladen“. Nur „Follower und Gefolgt“, Format JSON. Das dauert etwa 2 Minuten.

Schritt 3: Warte 4 Wochen

Kürzere Abstände messen Rauschen. Einzelne Beiträge schwanken so stark, dass Wochenvergleiche in die Irre führen.

Schritt 4: Wiederhole Export und Rechnung

Neue Followerzahl, neue Durchschnittsreaktionen, neue Rate. Vergleiche die Rate, nicht die absoluten Zahlen.

Schritt 5: Ordne das Ergebnis zu

Rate gestiegen bei gefallener Followerzahl heißt: gesunde Bereinigung. Rate gefallen heißt: du hast aktive Leute verloren, und dann lohnt der Blick auf die Beiträge im Zeitraum.

Was tun, wenn aktive Follower gehen?

Nicht mehr posten, sondern anders. Sieh dir in den Beitragsstatistiken an, welche Beiträge überdurchschnittlich lange angesehen und gespeichert wurden, und mach davon mehr – bei gleicher Frequenz.

Beantworte außerdem Kommentare in der ersten Stunde. Frühe Interaktion beeinflusst die Auslieferung messbar und ist der einzige Hebel, der sofort wirkt. Welche Auslöser meist hinter einem Schub stecken, steht im Beitrag über Gründe für Unfollows.

Wie rechnest du eine Kooperation durch?

Der Abgang nach einer bezahlten Zusammenarbeit lässt sich beziffern, wenn du drei Stände hast: den Monat davor, den Monat der Kooperation und den Monat danach.

Ein Beispiel mit realistischen Zahlen. Ein Konto mit 8.000 Followern verliert meist 120 im Monat, also 1,5 Prozent. Im Monat der Kooperation sind es 290, also 3,6 Prozent. Der Überschuss von 170 Abgängen ist der Preis dieser Zusammenarbeit.

Diese Zahl ist in zwei Richtungen nutzbar. Sie ist ein Argument für einen höheren Preis beim nächsten Mal — 170 Follower haben einen Wert, der sich beziffern lässt. Und sie ist ein Kriterium für die Auswahl: Eine Marke, deren Kooperation dich nichts kostet, ist mehr wert als eine, die dasselbe zahlt und dich 2 Prozent kostet.

Ohne den Vorher-Wert ist die mittlere Zahl bedeutungslos, weil du deinen eigenen Normalwert nicht kennst. Das ist der Grund, warum die Auswertung erst ab dem dritten Export funktioniert.

Welche Zahlen brauchst du für eine Verhandlung?

Marken fragen inzwischen routinemäßig nach Kennzahlen, und wer sie parat hat, verhandelt aus einer besseren Position. Vier Angaben reichen: Vier Angaben reichen, und die letzte hat kaum jemand parat — genau deshalb wirkt sie.

  • Interaktionsrate als Durchschnitt über 10 Beiträge, nicht über den besten.
  • Reichweite pro Beitrag als Median, weil einzelne Ausreißer den Schnitt verzerren.
  • Anteil der Reichweite bei Nicht-Followern, der zeigt, ob die Kampagne über deinen Kreis hinauswirkt.
  • Abgangsrate nach früheren Kooperationen, die belegt, dass dein Publikum Werbung von dir akzeptiert.

Die letzte Angabe hat kaum jemand, und genau deshalb wirkt sie. Sie zeigt, dass du deine eigene Wirkung misst statt zu behaupten.

Was ist mit sehr kleinen Konten?

Unter etwa 300 Followern funktioniert keine dieser Rechnungen. Die Zahlen sind so klein, dass jede Schwankung im Rauschen verschwindet: Drei Abgänge in 1 Woche sind bei 200 Followern 1,5 Prozent und bedeuten trotzdem nichts.

Sinnvoll wird die Auswertung ab etwa 500 bis 1.000 Followern. Darunter ist die einzige Kennzahl mit Aussagekraft die Reichweite bei Nicht-Followern — sie zeigt, ob deine Beiträge überhaupt ausgespielt werden, und das ist in dieser Phase die entscheidende Frage.

FAQ

5 Fragen zur Rechnung hinter Reichweite und Abgang.

Zeigt Instagram meine Interaktionsrate?

Nicht direkt. Du rechnest sie selbst: Reaktionen eines Beitrags geteilt durch deine Followerzahl, mal 100.

Sollte ich Reichweite oder Followerzahl beobachten?

Beides, aber getrennt. Die Reichweite reagiert früher, die Followerzahl bestätigt später, was passiert ist.

Zählt Instagram gelöschte Konten als Unfollow?

In deiner Statistik erscheinen sie als Rückgang, obwohl niemand aktiv gegangen ist. Bei größeren Bereinigungen macht das einen spürbaren Teil aus.

Ist eine niedrige Rate bei vielen Followern schlimm?

Nicht automatisch. Große Konten haben naturgemäß niedrigere Raten. Entscheidend ist die Entwicklung deiner eigenen Rate über die Zeit.

Wie viele Beiträge brauche ich für einen belastbaren Durchschnitt?

Mindestens fünf, besser zehn. Einzelne Ausreißer nach oben verzerren den Schnitt sonst erheblich.

Rechne die Rate, nicht die Zahl. Erst dann weißt du, ob ein Rückgang von 500 Followern ein Problem oder eine Verbesserung war.

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